Besinnung

Barmherziger Gott,
ein neues Lied,
ein anderes Lied
wollten wir singen.
Dir, unseren Mitgeschöpfen, unserer Welt.

Es sollte anders klingen,
als in den Jahrhunderten vorher.
Nicht von Krieg und Gewalt und ruhmreichen Vaterländern tönen.
Nicht den patriotischen Gemütern und Anwandlungen ihren Takt zum Marschieren trommeln.

Vom Frieden wollten wir singen. Sehnsüchte Gestalt und Lebenswirklichkeit werden lassen.
Doch was blieb uns nicht alles im Halse stecken und heraus kam ein Gekrächze von Aufrüstung, Bedrohung, Angstmache.
Heraus kam, dass Gewalt und Krieg nach wie vor normal sind und hoffentlich die Guten siegen und über Trümmerfelder und Massengräber herrschen dürfen.

Schenke uns den Aufbruch zu einem Lied,
das radikal von der Menschlichkeit singt und für Gerechtigkeit und Frieden begeistert.
Das nicht mutlos abbricht und aufgibt,
wenn die Macht Ausübenden Zustimmung und Unterwerfung einfordern und die Zeit nicht reif ist für Pazifismus.

Welche Zeit wird das jemals?
Sollen wir deshalb verstummen, den Mund halten, schamhaft nach Waffen und Flaggen greifen?
Bereit zur Ein- und Unterordnung unter die edlen Absichten der Kriegführenden?

Ein neues Lied,
ein anderes Lied
wäre ein Segen für unsere Seelen.
Barmherziger Gott, zaubere es uns auf die Lippen.
Oder besser: Lass es uns denken und erfinden!

Amen!

Klaus Pfaller