Wort zum Sonntag (2. Sonntag nach Trinitatis) 21.06.2020

See und Baum
Bildrechte: Klaus Pfaller

Das Reich Gottes, dieses unendliche Zugehen Gottes auf uns, gleicht einem ganzheitlichen Geschehen, in dem ein Mensch zu einer Tafel, einem Fest einlädt. Gemeint ist damit das Leben. Unser Leben ist ein Fest und es ist eine  gute Kunst dieses Fest zu feiern. Zu Gemeinschaft, Frieden und Menschlichkeit sind wir eingeladen. Als solche, die dafür prädestiniert und vorbestimmt erscheinen, aber auch als solche, die erst durch die Einladung Jesu aufmerksam werden. Und es ist das menschliche Schicksal, dass wir diese Einladung, auch sehr leichtfertig und unreif, immer wieder ausschlagen. Aber die Tür bleibt offen.

Das kann auch mein Leben in seinen sehr unterschiedlichen Zeiten und Phasen betreffen. Auf Zeiten, in denen ich mein Leben annehmen, gerne und befreit leben konnte, folgten andere Zeiten. In ihnen fand ich den Schlüssel, den Zugang zu diesem freudigen, leichten, gelingenden Leben nicht und stand wie vor Mauern und lauter verschlossenen Türen.

Aber auch aus Lebensphasen, wo ich der Einladung nicht gefolgt bin, die Tür zum Leben verriegelt fand, oder selbst zugeschlagen habe, kann ich mich immer wieder rufen lassen und kommen. Raum und Gelegenheit sind reichlich vorhanden. Der Gastgeber und Initiator des festlichen Lebens hat nicht beleidigt abgeräumt und die Zugänge verrammelt, weil ich seiner Einladung nicht gefolgt bin. Die Einladung gilt weiterhin. Ich kann sie nicht verlieren wie ein entsprechendes Schreiben, das ich dummerweise verlegt habe.

Diese Einladung ist das Wichtigste. Sie ist das Angebot des sinnerfüllten, genussreichen Lebens. Und sie ist viel zu wichtig, als dass sie durch dumme oder unreflektierte Ablehnungen ausfallen könnte. Allerdings bleibt, als Preis der Freiheit, auch die Gefahr, das Abgründige bestehen. Ich kann diese Einladung zum Leben achtlos beiseite legen, mich verweigern, bei meiner Suche oder Gier nach Leben in der ein oder anderen Sucht landen, mein Gesicht und meine Mitte verlieren. Dann werden Menschen an mir leiden, von mir ausgebeutet und missbraucht werden, an meiner Unbeweglichkeit und meinem Egoismus abgleiten und vor einer Oberfläche erschrecken, die einer Maske aus Beton gleicht.

Aber wo ich sie annehme, spüre ich die wohltuende Wärme des in Gott geborgenen Daseins. Mein Leben wird zu einem Fest in Gott, wo sich meine Gedanken und Sinne öffnen. Dann gehen mir die Augen auf und ich tauche aus meinen Blindheiten auf in dem Bemerken, was doch alles an Wunderbarem mir begegnet. Ich schmecke und sehe die Freundlichkeit von Menschen, und sie tut mir gut. Wie an einem gemeinsamen Feuer von Menschlichkeit darf ich mich wärmen, gute Lebensinhalte finden. Dann spüre ich einen Schauer in meinen Adern, den das Abenteuer Leben hervorruft. Ich sage nicht mehr „alles klar“ und gebe den coolen Unberührbaren, weil mich das Hier und Jetzt so aufregend verführen kann.

Solange dieses Eis des ewig Selbstverständlichen mein Dasein bedeckt, bleibt es wie verschlossen. Bleibt ein dicker Zeigefinger auf meinen Lippen, der die Wahrnehmung der Sinne versiegelt. Aber wo mein Interesse, mein Dabei - Sein erwacht, kommt es. Das Staunen, das faszinierte Begreifen und Fühlen, das durch Offenheit eine viel intensivere Tiefe entstehen lässt.

Manchmal braucht es einen bewussten Übergang, einen Schritt oder Sprung, um auf diese Weise mein Leben wieder neu zu begreifen. Das Leben als Fest, zu dem Gott einlädt, immer wieder und in aller Offenheit. Meditation und Kunst können Brücken dazu anbieten, aber auch einfach der Kontakt zum Natürlichen und Grundsätzlichen. "Gott lädt uns ein zu seinem Fest – lasst uns geh’n!"

Klaus Pfaller


Barmherziger Gott,
du lädst uns ein zu einem Leben
als Fest.
Du bittest zum Tanz
und hältst uns an der Hand.
Lass uns deine Einladung erkennen
und nicht ausschlagen.
Gib, dass wir ihr
hungrig und durstig folgen
und uns darüber freuen,
was wir an deiner Tafel
angerichtet finden.
Amen!

Klaus Pfaller